Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen – Wie überwinden wir die Vorurteile?

Zur Person: 

Interviewpartner ist Prof. Dr. Georg Schomerus, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Leipzig. Er untersucht in mehreren Forschungsgruppen die Auswirkungen gesellschaftlicher Haltungen auf das Leben von psychisch erkrankten Menschen und engagiert sich beim Leipziger Verein Irrsinnig menschlich e.V.

 

Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen – Wie überwinden wir die Vorurteile?
– mit Prof. Dr. Georg Schomerus

Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie sind in Deutschland  jedes Jahr knapp 28 % der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen und vielen Menschen wird mit der Diagnosestellung auch eine Art Etikett aufgedrückt.  Schizophrene Menschen werden in der Gesellschaft häufig als gefährlich und unberechenbar, sogar kriminell eingestuft, mit einer Alkoholabhängigkeit bekommt man nur eine Psychotherapieplatz, wenn man für eine gewisse Zeit trocken war, die Kollegin mit Depressionen wird auf Arbeit auf einmal ausgegrenzt, weil sie viele Krankentage hat. Diese Stigmatisierung gibt es auf vielen Ebenen, auch strukturell. So vermeiden Lehramtstudierende mit psychischen Störungen Behandlung, damit sie sich nicht die Chancen auf eine Verbeamtung verbauen. Man kann eigentlich sagen: Betroffene leiden nicht nur an ihren Krankheitssymptomen, sondern auch an stereotypen Vorurteilen und sozialer Diskriminierung.

In diesem Interview sprechen wir darüber, wie sich der Blick der Gesellschaft auf psychische Krankheiten und die Psychiatrie in den letzten zwanzig Jahren verändert hat. Wir reden ganz konkret über die Stigmata der Alkoholabhängigkeit und schauen anschließend, welche Folgen Stigmatisierung haben kann und was wir als Gesellschaft, als Ärzt:innen oder Betroffene dagegen tun können.

 
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