Interview mit Dr. Natja Liebers

Zu früh geboren – in der Grauzone zur Lebensfähigkeit

Weltweit wird jedes 10. Baby zu früh geboren – insgesamt also 15 Millionen Kinder pro Jahr. Damit ist Frühgeburtlichkeit die zweithäufigste Todesursache von Kindern unter 5 Jahren. Ein Kind gilt als zu früh geboren, wenn es vor der 37. SSW geboren wird. Und nochmal fast 10 Wochen früher geborene Kinder, und zwar unter der 28. SSW, werden laut WHO als „extrem“ zu früh Geborene bezeichnet. In dieser Folge beschäftigen wir uns damit, was überhaupt die Grenze der Lebensfähigkeit von Frühgeborenen ist, was Inhalte von Beratungsgesprächen sein können und welche rechtlichen Aspekte beachtet werden müssen. Es wird über notwendige Entscheidungen in der Grauzone zur Lebensfähigkeit gesprochen und welche Punkte hierfür relevant sein können. 

Quellen:

AWMF-Leitlinie 2020

WHO Global Action Report on Preterm Birth 2012

Hilde Tinderholt Myrhaug, Kjetil Gundro Brurberg, Laila Hov, Trond Markestad; Survival and Impairment of Extremely Premature Infants: A Meta-analysis. Pediatrics February 2019; 143 (2): e20180933. 10.1542/peds.2018-0933 https://doi.org/10.1542/peds.2018-0933

Alice Cavolo, Bernadette Dierckx de Casterlé, Gunnar Naulaers, Chris Gastmans; Physicians’ Attitudes on Resuscitation of Extremely Premature Infants: A Systematic Review. Pediatrics June 2019; 143 (6): e20183972. 10.1542/peds.2018-3972 https://doi.org/10.1542/peds.2018-3972

Medlock S, Ravelli ACJ, Tamminga P, Mol BWM, Abu-Hanna A (2011) Prediction of Mortality in Very Premature Infants: A Systematic Review of Prediction Models. PLOS ONE 6(9): e23441. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0023441

De Proost, L., Geurtzen, R., M’hamdi, H. I., Reiss, I. I., Steegers, E. E., & Verweij, E. J. (2021). Prenatal counseling for extreme prematurity at the limit of viability: a scoping review. Patient Education and Counseling. https://doi.org/10.1016/j.pec.2021.10.033

McGuirl, J., Campbell, D. Understanding the role of religious views in the discussion about resuscitation at the threshold of viability. J Perinatol 36, 694–698 (2016). https://doi.org/10.1038/jp.2016.104

Cavolo A, Dierckx de Casterlé B, Naulaers G, Gastmans C. Ethics of resuscitation for extremely premature infants: a systematic review of argument-based literature. J Med Ethics. 2020 Apr 27:medethics-2020-106102. doi: 10.1136/medethics-2020-106102.

Zur Person:

Dr. Natja Liebers ist Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Oberärztin einer pädiatrischen Intensivstation am Universitätsklinikum Jena. Sie arbeitet als Neonatologin, pädiatrische Intensiv- und Palliativmedizinerin und Notärztin. Außerdem ist die als Ethikberaterin Mitglied des klinischen Ethikkomitees der Uni Jena und in der Lehre engagiert tätig.

Interview mit Franziska Grillmeier

Die Grenzen Europas – wenn Flucht krank macht

Das Thema Geflüchtete und deren Versorgung ist angesichts des Krieges in der Ukraine, aktueller den je.
Aber auch wenn die Aufnahmebereitschaft für ukrainische Geflüchtete diesmal sehr hoch ist, erging es vielen anderen Menschen jahrelang leider nicht so.
Um dies nicht aus dem Fokus zu verlieren konzentrieren wir uns in dieser Folge auf die Gesundheits-versorgung von Geflüchteten an den EU Außengrenzen, vor Allem in Griechenland und auf der Balkanroute, an der bosnisch – kroatischen Grenze.

Diese Folge ist weniger mit medizinischen Fakten vollgepackt, lässt dafür aber mehr Raum für persönliche Erfahrungen und soll ein gewisses Hintergrundwissen zu dem Thema vermitteln.
Dafür sprechen wir in der Folge unter anderem über die politische Situation, die Lebensbedingungen vor Ort und natürlich über die Gesundheitsversorgung und insbesondere auch über die Schwierigkeiten der medizinischen Behandlungen unter diesen Umständen.

Quellen und Artikel

gesammelte Artikel von Franziska Grillmeier

Rubrik “Flucht und Asyl” mit zahlreichen Fakten und Infos zur EU Asylpolitik

Infografik: Fluchtrouten nach Europa

Infovideo der bpb: “Zahlen und Fakten: Europa – Flucht und Vertreibung”

Informationen der UNO Flüchtlingshilfe “Flüchtlinge in Griechenland – Sinkende Flüchtlingszahlen”

Artikel der bpb: “Flüchtlinge an den Grenzen Europas”

Infomationen zu Frontex und illegalen Pushbacks

Zunahme des Budgets von Frontex zwischen 2005 und 2021

ARTE Reportage: “Griechenland: Pushback von Migranten?”

Investigation von Correctiv in Zusammenarbeit mit der ARD: “Frontex watching the watchers” (Englisch)

Artikel zu der EU Grenzschutzorganisation Frontex im Spiegel “EU Border Agency Frontex Complicit in Greek Refugee Pushback Campaign” (Englisch)

Podcast Folgen

Podcast “Notaufnahme” von Ärzte ohne Grenzen: “Moria, Schandfleck Europas

Podcast der NGO MedEqualiTeam mit kurzen Einblicken in ihre Arbeit vor Ort

Folge von Heile Welt zu Seenotrettung auf dem Mittelmeer

Zur Person:

Unserer Interviewpartnerin Franziska Grillmeier ist freie Journalistin und hat einen speziellen Fokus in ihrer Berichterstattung auf die Gesundheitsversorgung in Krisengebieten.
Sie studierte Politik, Religionsgeschichte und internationales Recht in Wien und London und  lebt nun seit einigen Jahren auf der griechischen Insel Lesbos, berichtet von dort aus und war für verschiedene Reportage auf der Balkanroute und in Polen an der Grenze zu Belarus und der Ukraine unterwegs.
Ihre Artikel wurden u.a. in der Zeit, der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, der taz, im Spiegel und bei medico international veröffentlicht.

Interview mit Ann-Catrin Gruber

Hörgeschädigt = nicht gehört?!
Barrieren im medizinischen Kontext

Rund 80 000 gehörlose Menschen leben in Deutschland, bis zu 16 Millionen Menschen haben eine Form der Höreinschränkung. Da liegt es eigentlich nahe, dass das Thema auch unsere Kommunikation im Alltag und im Gesundheitswesen betrifft.

Unsere Interviewpartnerin Ann-Catrin Gruber erzählt sowohl aus eigener Erfahrung, als auch als Bildungswissenschaftlerin, was es im Gespräch mit Dolmetscher*innen und beim Untertiteln zu beachten gibt, mit welchen Barrieren Menschen mit Höreinschränkung konfrontiert werden und wo die Möglichkeiten und Grenzen einer Cochlea Implantation liegen.

Wichtig war Ann-Catrin an dieser Stelle nochmal zu betonen, dass jede Hörschädigung individuell ist und die Entscheidung für die genutzte Sprache, ebenso wie für oder gegen eine Inanspruchnahme medizinischer Methoden so vielfältige Gründe haben, wie sie in diesem Podcast gar nicht alle erwähnt werden konnten.

Transkript des Podcast zum Download:

Quellen:

Pressemitteilung zur Fachtagung “Cochlea Implantat- Realitäten ohne Zwang”

Politische Teilhabe, Gebärdensprache und Corona

Anzahl CI OPs

Leitlinienbewertung Cochlea Implantat Versorgung

Statements zum Thema Barrierefreiheit:

Pressemitteilung zum European Accessibility Act

Blog Schaar’s Gebärden

Empfehlung:

kleiner Gebärdensprachkurs

Zur Person:

Ann-Catrin Gruber ist Bildungswissenschaftlerin mit zwei Abschlüssen (B.A.) mit Lehramtsoption Gymnasium und Gesamtschule und Lehramt für Sonderpädagogische Förderung mit Schwerpunkt ‚Emotionale und soziale Entwicklung‘ sowie ‚Hören und Kommunikation‘. Während ihres Masterstudiums arbeitet sie aktuell als Vertretungslehrkraft an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt ‚Hören und Kommunikation‘ und kooperiert mit ‚Breaking the silence‘ als Dozentin für „Das Leben mit einem Cochlea Implantat“

Interview mit Dr. Katharina Holl

Verhütungsmethoden

woran scheitert die Pille für den Mann?

Wir können uns glücklich schätzen in einem Zeitalter zu leben in dem innerhalb von wenigen Monaten Impfungen entwickelt werden, genetische Erkrankungen wie die Spinale Muskelatrophie effektiv behandelt werden können und Menschen mit Uterus zwischen fast 20 verschiedenen Verhütungsmitteln die freie Wahl haben. Von der sogenannten Anti-Baby-Pille, zu verschiedenen Spiralen, Vaginalringen, Depotpräparaten, die unter die Haut gesetzt werden, bis zu Pflastern, die transdermal ihre Wirkung entfalten und natürlich etlichen mechanischen Kontrazeptiva wie dem Diaphragma oder Vaginalschwämmen. Auf der anderen Seite sind wir seit der erstmaligen Serienproduktion des Kondoms um das Jahr 1870 immer noch nicht viel weiter was die Verhütung angeht für spermienproduzierende Menschen. Warum das so schwierig ist bzw. welche Medikamente vielleicht doch schon in der entwicklerischen Pipeline stecken und was sich ändern muss, damit da doch noch mehr Auswahl dazu kommt, all das klären wir in diesem Podcast. 

Petitionen

Better Birth Control

Internetartikel

Übersichtsartikel Stand der Forschung (Dr. Holl)

Übersicht möglicher Verhütungsmittel von Better Birth Control

Übersicht des Redaktionsnetzwerkes Deutschland: Warum Verhütung bisher nur Frauensache ist

Pearl Indices verschiedener Verhütungsmittel

HRP program der WHO

Conrad: Leaders in reproductive health and HIV prevention

Umfrage der BzgA über Verhütungsverhalten Erwachsener (2018)

Ärzteblatt: woran die Hormonspritze für den Mann (vorerst) gescheitert ist

Interview mit dem Erfinder des Samenleiterventils

Erste Erkenntnisse zu neuer „Pille für den Mann“: DMAU

Arzneimittelzulassung & Studienphasen in Deutschland

Podcasts

Gyncast: die unterschätzten Alternativen zur Pille

Im Namen der Hose: Verhütung für Männer und Frauen

Im Namen der Hose: Shorts – Verhütungsmethoden für Männer

Youtube: Die Pille wissenschaftlich geprüft

Fachliteratur

Behre, H. M., Zitzmann, M., Anderson, R. A., Handelsman, D. J., Lestari, S. W., McLachlan, R. I., Meriggiola, M. C., Misro, M. M., Noe, G., Wu, F. C., Festin, M. P., Habib, N. A., Vogelsong, K. M., Callahan, M. M., Linton, K. A., & Colvard, D. S. (2016). Efficacy and Safety of an Injectable Combination Hormonal Contraceptive for Men. The Journal of clinical endocrinology and metabolism101(12), 4779–4788. https://doi.org/10.1210/jc.2016-2141

Gava, G., & Meriggiola, M. C. (2019). Update on male hormonal contraception. Therapeutic Advances in Endocrinology and Metabolism. https://doi.org/10.1177/2042018819834846

Dominiak, Z., Huras, H., Kręcisz, P., Krzeszowski, W., Szymański, P., & Czarnecka, K. (2021). Promising results in development of male contraception. Bioorganic & Medicinal Chemistry Letters41, 128005.

Roth, M. Y., Ilani, N., Wang, C., Page, S. T., Bremner, W. J., Swerdloff, R. S., Dart, C., Sitruk-Ware, R., Kumar, N., Blithe, D., & Amory, J. K. (2013). Characteristics associated with suppression of spermatogenesis in a male hormonal contraceptive trial using testosterone and Nestorone(®) gels. Andrology1(6), 899–905. https://doi.org/10.1111/j.2047-2927.2013.00135.x

Mommers, E., Kersemaekers, W. M., Elliesen, J., Kepers, M., Apter, D., Behre, H. M., Beynon, J., Bouloux, P. M., Costantino, A., Gerbershagen, H. P., Grønlund, L., Heger-Mahn, D., Huhtaniemi, I., Koldewijn, E. L., Lange, C., Lindenberg, S., Meriggiola, M. C., Meuleman, E., Mulders, P. F., Nieschlag, E., … Zitzmann, M. (2008). Male hormonal contraception: a double-blind, placebo-controlled study. The Journal of clinical endocrinology and metabolism93(7), 2572–2580. https://doi.org/10.1210/jc.2008-0265

Heinemann, K., Saad, F., Wiesemes, M., & Heinemann, L. A. (2005). Expectations toward a novel male fertility control method and potential user types: results of a multinational survey. Journal of andrology26(2), 155-162.

Zur Person:

Dr. Katharina Holl ist promovierte Pharmazeutin und Fachapothekerin für Arzneimittelinformation und arbeitet aktuell im Bereich der Arzneimittelzulassung in der pharmazeutischen Industrie. Außerdem versucht sie nebenberuflich ihr Wissen weiterzugeben und schreibt als freie Autorin für pharmazeutische Fachzeitschriften.

Interview mit Frau Dorgeloh und Herrn Sevenich

Drogenabhängigkeit – Substitution statt Abstinenz

“Heroin auf Rezept – sonst wäre ich tot” heißt eine Kurzdoku des Funkformates “reporter”. Dieses krasse Zitat “Sonst wäre ich tot” kommt von Jürgen, der für das Format interviewt wird und bereits seit Jahrzehnten heroinabhängig ist. Er wird gefilmt, wie er sich in der Substitutionsambulanz am Kölner Neumarkt die tägliche Diamorphindosis spritzt. Diamorphin ist reines, synthetisch hergestelles Heroin und zählt zu den Substitutionsmitteln. Eine Heroinabhängigkeit mit synthetischem Heroin behandeln? Das klingt intuitiv erstmal komisch. Warum das sinnvoll ist und welche Ziele damit verfolgt werden, wollen wir in diesem Podcast klären. Suchtmedizin gilt als eher vernachlässigtes Gebiet der Medizin und auch in politischen Entscheidungen zeigt sich, wie wenig Wissen über Substitution bei Nicht-Mediziner*innen eigentlich vorhanden ist. Das wollen wir aufarbeiten, indem wir zentrale Fragen klären: wie wird man in ein Substitutionsprogramm eingeschlossen? Wie läuft die Vergabe der Substitutionsmittel und welche Kontrollen finden statt? Ganz ausführlich besprechen wir dabei die Verbindung zwischen Medizin und Sozialer Arbeit, denn die psychosoziale Betreuung nimmt in einem Substitutionsprogramm eine zentrale Rolle ein.

Quellen:

Doku „Heroin auf Rezept – sonst wäre ich tot“

Zahlen der deutschen Suchthilfestatistik 2019

Jahresbericht: Situation illegaler Drogen in Deutschland

Prof. Scherbaum: Abstinenzraten bei Opioidabhängigkeit

Richtlinie der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger

Drogenkonsumräume in Deutschland

wissenschaftlicher Kenntnissstand zur Substitutionstherapie

Workbook „Drogen“ des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction

Substitutionsmittel, Dosierung und praktische Durchführung einer Substitutionsbehandlung

Zu den Personen:

Frau Dorgeloh ist Psychiaterin und medizinische Leiterin der Substitutionsambulanz in Köln.
Herr Sevenich ist Diplom Sozialarbeiter und seit 2007 in der Einrichtung tätig.

Interview mit Dr. Christoph Zerm

Weibliche Genitalverstümmelung

sensibel im Umgang mit Betroffenen

Weibliche Genitalverstümmelung, kurz auch FGM (female genital mutilation) – ist ein Thema welches spätestens seit Waris Dirie’s Buch “Wüstenblume” internationale Bekanntheit erlangt hat.
Auch in Deutschland ist das Thema natürlich sehr relevant, nicht nur gibt es auch hier schätzungsweise 75.000 betroffene Frauen und Mädchen, sondern auch historisch gesehen sind in Mitteleuropa noch bis weit ins 19. Jhd Formen von FGM praktiziert worden.
Gerade auch medizinisches Personal sollte gut informiert sein und sensibel mit diesem Thema umgehen, um angemessen darauf reagieren zu können. Deswegen reden wir in diesem Podcast als erstes noch einmal über die Grundlagen: was ist weibliche Genitalverstümmelung überhaupt, wie verbreitet ist es, welche Folgen kann es haben und welche Gründe gibt es dafür. Außerdem beschäftigen wir uns noch mit eher handlungsorientierten Fragen: Wie kann Präventionsarbeit geleistet werden und welche Unterstützungsangebote können Betroffenen erhalten
?

Quellen:

Fakten, Zahlen, Karten der Prävalenzgebiete und Informationen zu Beratungsangeboten und Prävention in Deutschland: www.kutairi.de

Formen, Folgen, Ursachen und Verbreitung: Desert Flower Center

Empfehlungen für die Beratung und Umgang mit Betroffenen:

Broschüre AG Frauengesundheit in der Entwicklungszusammenarbeit (AG FIDE) e.V. (Autor: Dr. Zerm)

Caritas-Empfehlungen

Empfehlungen der Bundesärztekammer

WHO-Guidelines

Zahlen und Fakten

Im Podcast genannte Zahlen der Prävalenzregionen

Aktuelle Erhebung der Betroffenen in Deutschland (06/2020)

Daten, Zusammenhänge, Perspektiven (Studienzusammenfassungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Morphologische Befunde nach Verstümmelung des weiblichen Genitals

Bücher: Wüstenblume & Schmerzenskinder (Waris Dirie)

weitere Adressen: www.forwardforwomen.org, www.friedensband.de, Beitrag im Deutschlandfunk

Zur Person:

Dr. Christoph Zerm ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft Internationale Frauengesundheit / Tropengynäkologie – FIDE e.V.“. Im Rahmen dessen veröffentlichte er einen Leitfaden für medizinisches Personal unter dem Titel “Weibliche Genitale Beschneidung – Umgang mit Betroffenen und Prävention; Empfehlungen für Angehörige des Gesundheitswesens und weitere potentiell involvierte Berufsgruppen”, sowie weitere Forschungsarbeiten zum Thema. Er betreibt eine Sondersprechstunde für von FGM betroffene Frauen in Düsseldorf und fertigt außerdem in diesem Zuge Gutachten für das BAMF an.

Interview mit Claudia Watzel

Gewalt in der Geburtshilfe –
wie können wir die Grenzen wahren?

Gewalt während der Geburt, ein Thema welches langsam auch in Deutschland immer mehr Aufmerksamkeit bekommt. Vielleicht haben ja einige von euch sogar auch schon einmal vom Roses Revolution Day gehört, dieser findet jedes Jahr am 25. November statt. Dabei werden Rosen vor den Kreißsaal Türen von Kliniken abgelegt, um so auf Gewalterfahrungen, die Gebärende während der Geburt machen mussten, aufmerksam zu machen.
Um für mehr Bewusstsein zu diesem Thema zu sorgen, werden wir in diesem Podcast unter anderem darüber sprechen, was überhaupt gemeint ist wenn es um Gewalt während der Geburt geht, welche Folgen das für die Betroffenen haben kann und warum es wichtig ist, diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen. 

Quellen:

Positionspapier des Deutschen Hebammenverbandes e.V. “keine Gewalt in der Geburtshilfe”

Wissenschaftliche Arbeit zum Einfluss der Ökonomisierung auf die Geburtshilfe

Rate der Dammschnitte in deutschen Krankenhäusern

WHO Stellungnahme zur Prävention von Gewalterfahrungen während der Geburt (Englisch):

Plattform auf welcher Gewalterfahrungen geteilt werden können (Englisch)

Beiträge:

“Mehr Stress, mehr Maßnahmen, mehr Übergriffe“ – Artikel in der SZ

„Wenn Sie jetzt schon so schreien, wird das hier nichts“ – Radiobeitrag von DLF Kultur

“Traumatische Geburt: Gewalt im Kreißsaal” – Doku vom WDR

Bücher:

give birth like a feminist – milli hill

Gewalt unter der Geburt: Der alltägliche Skandal – Christina Mundlos

the positive birth book – milli hill

Es ist vorbei, ich weiß es nur noch nicht – Tanja Sahib 

Zur Person:

Claudia Watzel ist Diplom Psychologin, hat unter anderem den Verein “Schwere Geburt” gegründet und ist Mitglied im deutschlandweiten Netzwerk der Elterninitiativen für Geburtskultur. Sie setzt sich seit mehreren Jahren sehr aktiv für die Rechte von Schwangeren für eine gewaltlose und selbstbestimmte Geburt und eine frauenzentrierte Geburtshilfe ein.

Interview mit Shreyasi Bhattacharya

Rassismus in der Medizin – Zeit zu handeln

Über Rassismus wird ungern gesprochen, das gilt auch für den medizinischen Kontext. Dabei ist es grade hier (überlebens-)wichtig sich mit sozialen Ungleichheiten, den eigenen impliziten Vorurteilen und den Folgen von rassistischem Handeln in der Medizin auszukennen. Wir sprechen deswegen in dieser Folge darüber, wo Rassismus ganz unauffällig beginnt, wo er strukturell verankert ist und was wir tun können, dass das nicht für immer so bleibt.
Wir sprechen deswegen heute darüber, wo Rassismus ganz unauffällig beginnt, wo er strukturell verankert ist und was wir tun können, dass das nicht für immer so bleibt.

Quellen:

Accounts, Websiten & Co.

Race and Health Website mit vielen weiteren Quellen und Anregungen zum Thema

Black and Brown Skin Website mit klinischen (z.B. dermatologischen) Informationen über Erkrankungen und Symptome auf schwarzer und brauner Haut

Blackinmedicine Netzwerk Schwarzer Mediziner*innen, die viele wichtige Arbeit leisten zum Thema Schwarz sein in der Medizin, ihr findet auch auf social media weiteren Input: folgt ihnen!

Harvard Implicit Association Test: Rassimus. Test der Universität Harvard zum unbewussten implizierten Rassismus. Große Empfehlung diesen Test selbst einmal zu machen. (In der linken Spalte könnt ihr dann den Tests Race auswählen)

Studie der Uniklinik Köln Discrimination experienced by medical students and physicians, die erstmalig in Deutschland die Diskrimineurng im medizinischen Kontext untersucht. Unsere Interviewpartnerin Shreyasi Bhattacharya ist Teil des Forschungsteams.

Antirassistische Taskforce im Gesundheitswesen: meldet euch gerne per Mail an info.antira-med@protonmail.com wenn ihr euch engagieren wollt

Journal Club racism in medicine: jeden letzten Donnerstag im Monat findet ab dem 29.04. ein Journal Club statt, der sich mir Studien rund um racism in medicine beschäftigt. Die Teilnahme ist offen für alle Interessierten und Wissbegierigen. Bei Intresse meldet euch an per Mail an jc_racism_in_medicine@riseup.net

Studien (Auszug):

Hidden in Plain Sight Reconsidering the Use of Race Correction in Clinical Algorithms, (2020) Vyas, D. et. al, New England Journal of Medicine

Racism and health: evidence and needed research, (2019) Williams D. et. al, Annual review of public health

The penumbra: Seven things organisations should be doing to combat racism, (2020) Choo, E., the Lancet

Sharpening the global focus on ethnicity and race in the time of Covid-19, (2020) Bhala et. al, the Lancet

A decade of studying implicit racial/ethnic bias in healthcare providers using the implicit association test, (2018) Maina et. al, Social Science + Medicine

Racism as a determinant of health: a systematic review and meta-analysis, (2015) Paradies et. al, Plos One

Bame Covid-19 Deaths – What do we know? Rapid Data & Evidence Review, (2020) Razaq

Videos:

3sat doku: Macht der Vorurteile

TED talk Prof. Dorothy Roberts: the problem with race based medicine

Alice Hasters tagesthemen: Meinung

BBC: Why is covid 19 killing people of colour? 

Bücher:

exit racism von Tupoka Ogette (auch als Hörbuch auf Spotify konstenlos verfügbar)

Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow

Black man in a white coat von Damon Tweedy

Der weiße Fleck von Mohamed Amjahid

Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten von Alice Hasters (auch als Hörbuch auf Spotify konstenlos verfügbar)

Diversität in der humanmedizinischen Ausbildung von Dr. Houda Hallal

Why I’m no longer talking to white people about race von Reni Eddo-Lodge

Sprache und Sein von Kübra Gümüşay

Diversitätssensible Haltung und Kompetenz in der Pädagogischen Arbeit, Rassimuskritische Bildungsarbeit von Prof. Karim Fereidooni

mind the gap von M. Mukwende, P. TAmony und M. Turner: klinisches Handbuch für braune und schwarze Hautfarbe

Dermatology and Dermatological Therapy of Pigmented Skin Fachbuch über Dematologie auf schwarzer oder brauner Haut

Zur Person:

Shreyasi Bhattacharya ist Medizinstudentin of Colour aus Köln, Präsidentin der Association of International Medical Students Köln, aktiv im autonomen BiPoC Referat der Universität zu Köln und studentische Leitung des Projekts Medicus Kickstarter (einem Projekt, was sich die Förderung von Medizinstudierenden mit Bildungsbiographien im Ausland oder in der ersten Uni-Generation zur Aufgabe gemacht hat). Außerdem ist sie Teil eines Forschungsprojekts der Universität zu Köln, was erstmalig in Deutschland die Diskriminerung in der Medizin erhebt (s.o.).

Interview mit Prof. Dr. Georg Schomerus

Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen

Wie überwinden wir die Vorurteile?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie sind in Deutschland  jedes Jahr knapp 28 % der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen und vielen Menschen wird mit der Diagnosestellung auch eine Art Etikett aufgedrückt.  Schizophrene Menschen werden in der Gesellschaft häufig als gefährlich und unberechenbar, sogar kriminell eingestuft, mit einer Alkoholabhängigkeit bekommt man nur eine Psychotherapieplatz, wenn man für eine gewisse Zeit trocken war, die Kollegin mit Depressionen wird auf Arbeit auf einmal ausgegrenzt, weil sie viele Krankentage hat. Diese Stigmatisierung gibt es auf vielen Ebenen, auch strukturell. So vermeiden Lehramtstudierende mit psychischen Störungen Behandlung, damit sie sich nicht die Chancen auf eine Verbeamtung verbauen. Man kann eigentlich sagen: Betroffene leiden nicht nur an ihren Krankheitssymptomen, sondern auch an stereotypen Vorurteilen und sozialer Diskriminierung. In diesem Interview sprechen wir darüber, wie sich der Blick der Gesellschaft auf psychische Krankheiten und die Psychiatrie in den letzten zwanzig Jahren verändert hat. Wir reden ganz konkret über die Stigmata der Alkoholabhängigkeit und schauen anschließend, welche Folgen Stigmatisierung haben kann und was wir als Gesellschaft, als Ärzt*innen oder Betroffene dagegen tun können.

Quellen:

Studie: Veränderung der Wahrnehmung von Psychiatrie und psychischer Krankheit

Prof. Schomerus & Steffi Riedel-Heller: Das Stigma psychischer Krankheit im Fokus

Burnout statt Depression – eine Strategie zur Vermeidung von Stigma?

Positionspapier Entstigmatisierung der AG Mental Health Schweiz

Zahlen und Fakten der Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN)

Zur Person:

Interviewpartner ist Prof. Dr. Georg Schomerus, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Leipzig. Er untersucht in mehreren Forschungsgruppen die Auswirkungen gesellschaftlicher Haltungen auf das Leben von psychisch erkrankten Menschen und engagiert sich beim Leipziger Verein Irrsinnig menschlich e.V.

Interview mit Prof. Sven Gottschling

Palliativmedizin

Lebensqualität am Lebensende

Über schwere Krankheiten, Tod oder Sterben wird nicht gern gesprochen, häufig werden diese Themen sogar tabuisiert, es fühlt sich fern an, wie das Problem der anderen, nie das eigene, bis es einen selbst betrifft. Und auch in der Medizin stehen Debatten über neue Krebsmedikamente oder verbesserte Therapien bei Schlaganfällen im Vordergrund – aber was ist, wenn es keine Chance mehr auf Heilung gibt? Wie finden wir Umgang mit sterbenden Menschen? Darum soll es in unserer neuen Podcastfolge mit Prof. Sven Gottschling gehen. Wir sprechen zunächst über Kommunikation mit sterbenden Menschen – wozu führen Sätze wie „Frau xy, ich gebe Ihnen noch drei Monate?“ Wie begleitet man Menschen auf ihrem Weg der Akzeptanz ihrer Krankheit – und des nahen Lebensendes? Wir diskutieren ebenfalls die Mythen rund um die künstliche Ernährung sowie Hunger und Durst am Lebensende. Als letzten Themenblock haben wir uns die palliative Sedierung, also das Versetzen eines Menschen in eine Art künstliches Koma vor dem Tod, vorgenommen: wir besprechen, wann diese Art der Sedierung eingesetzt werden darf und wie Patient*innen und Angehörige auf diese Möglichkeit des selbstbestimmten Sterbens reagieren.

Quellen:

Bücher „Leben bis zuletzt“ und „Schmerz los werden“ von Prof. Sven Gottschling

Lebensqualität und Lebensverlängerung unter künstlicher Ernährung:

– American Journal of Gastroenterology

Archives of internal medicine

Review: tube feeding in patients with advanced dementia

erweiterte S3 Leitlinie für Patient*innen mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung

zur Person:
Interviewpartner ist Prof. Sven Gottschling, eigentlich Kinderarzt, nun aber Chefarzt des Zentrums für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes. Außerdem ist er Autor zweier Bücher, die Menschen mit oder ohne medizinischem Hintergrund Palliativmedizin und Schmerztherapie näher bringen sollen.