Interview mit Frau Dorgeloh und Herrn Sevenich

Drogenabhängigkeit – Substitution statt Abstinenz

“Heroin auf Rezept – sonst wäre ich tot” heißt eine Kurzdoku des Funkformates “reporter”. Dieses krasse Zitat “Sonst wäre ich tot” kommt von Jürgen, der für das Format interviewt wird und bereits seit Jahrzehnten heroinabhängig ist. Er wird gefilmt, wie er sich in der Substitutionsambulanz am Kölner Neumarkt die tägliche Diamorphindosis spritzt. Diamorphin ist reines, synthetisch hergestelles Heroin und zählt zu den Substitutionsmitteln. Eine Heroinabhängigkeit mit synthetischem Heroin behandeln? Das klingt intuitiv erstmal komisch. Warum das sinnvoll ist und welche Ziele damit verfolgt werden, wollen wir in diesem Podcast klären. Suchtmedizin gilt als eher vernachlässigtes Gebiet der Medizin und auch in politischen Entscheidungen zeigt sich, wie wenig Wissen über Substitution bei Nicht-Mediziner*innen eigentlich vorhanden ist. Das wollen wir aufarbeiten, indem wir zentrale Fragen klären: wie wird man in ein Substitutionsprogramm eingeschlossen? Wie läuft die Vergabe der Substitutionsmittel und welche Kontrollen finden statt? Ganz ausführlich besprechen wir dabei die Verbindung zwischen Medizin und Sozialer Arbeit, denn die psychosoziale Betreuung nimmt in einem Substitutionsprogramm eine zentrale Rolle ein.

Quellen:

Doku „Heroin auf Rezept – sonst wäre ich tot“

Zahlen der deutschen Suchthilfestatistik 2019

Jahresbericht: Situation illegaler Drogen in Deutschland

Prof. Scherbaum: Abstinenzraten bei Opioidabhängigkeit

Richtlinie der Bundesärztekammer zur Durchführung der substitutionsgestützten Behandlung Opioidabhängiger

Drogenkonsumräume in Deutschland

wissenschaftlicher Kenntnissstand zur Substitutionstherapie

Workbook „Drogen“ des European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction

Substitutionsmittel, Dosierung und praktische Durchführung einer Substitutionsbehandlung

Zu den Interviewpartner*innen:

Frau Dorgeloh ist Psychiaterin und medizinische Leiterin der Substitutionsambulanz in Köln. Herr Sevenich ist Diplom Sozialarbeiter und seit 2007 in der Einrichtung tätig.

Interview mit Dr. Christoph Zerm

Weibliche Genitalverstümmelung

sensibel im Umgang mit Betroffenen

Weibliche Genitalverstümmelung, kurz auch FGM (female genital mutilation) – ist ein Thema welches spätestens seit Waris Dirie’s Buch “Wüstenblume” internationale Bekanntheit erlangt hat.
Auch in Deutschland ist das Thema natürlich sehr relevant, nicht nur gibt es auch hier schätzungsweise 75.000 betroffene Frauen und Mädchen, sondern auch historisch gesehen sind in Mitteleuropa noch bis weit ins 19. Jhd Formen von FGM praktiziert worden.
Gerade auch medizinisches Personal sollte gut informiert sein und sensibel mit diesem Thema umgehen, um angemessen darauf reagieren zu können. Deswegen reden wir in diesem Podcast als erstes noch einmal über die Grundlagen: was ist weibliche Genitalverstümmelung überhaupt, wie verbreitet ist es, welche Folgen kann es haben und welche Gründe gibt es dafür. Außerdem beschäftigen wir uns noch mit eher handlungsorientierten Fragen: Wie kann Präventionsarbeit geleistet werden und welche Unterstützungsangebote können Betroffenen erhalten
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Quellen:

Fakten, Zahlen, Karten der Prävalenzgebiete und Informationen zu Beratungsangeboten und Prävention in Deutschland: www.kutairi.de

Formen, Folgen, Ursachen und Verbreitung: Desert Flower Center

Empfehlungen für die Beratung und Umgang mit Betroffenen:

Broschüre AG Frauengesundheit in der Entwicklungszusammenarbeit (AG FIDE) e.V. (Autor: Dr. Zerm)

Caritas-Empfehlungen

Empfehlungen der Bundesärztekammer

WHO-Guidelines

Zahlen und Fakten

Im Podcast genannte Zahlen der Prävalenzregionen

Aktuelle Erhebung der Betroffenen in Deutschland (06/2020)

Daten, Zusammenhänge, Perspektiven (Studienzusammenfassungen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Morphologische Befunde nach Verstümmelung des weiblichen Genitals

Bücher: Wüstenblume & Schmerzenskinder (Waris Dirie)

weitere Adressen: www.forwardforwomen.org, www.friedensband.de, Beitrag im Deutschlandfunk

Zur Person:

Dr. Christoph Zerm ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Mitglied in der „Arbeitsgemeinschaft Internationale Frauengesundheit / Tropengynäkologie – FIDE e.V.“. Im Rahmen dessen veröffentlichte er einen Leitfaden für medizinisches Personal unter dem Titel “Weibliche Genitale Beschneidung – Umgang mit Betroffenen und Prävention; Empfehlungen für Angehörige des Gesundheitswesens und weitere potentiell involvierte Berufsgruppen”, sowie weitere Forschungsarbeiten zum Thema. Er betreibt eine Sondersprechstunde für von FGM betroffene Frauen in Düsseldorf und fertigt außerdem in diesem Zuge Gutachten für das BAMF an.

Interview mit Claudia Watzel

Gewalt in der Geburtshilfe –
wie können wir die Grenzen wahren?

Gewalt während der Geburt, ein Thema welches langsam auch in Deutschland immer mehr Aufmerksamkeit bekommt. Vielleicht haben ja einige von euch sogar auch schon einmal vom Roses Revolution Day gehört, dieser findet jedes Jahr am 25. November statt. Dabei werden Rosen vor den Kreißsaal Türen von Kliniken abgelegt, um so auf Gewalterfahrungen, die Gebärende während der Geburt machen mussten, aufmerksam zu machen.
Um für mehr Bewusstsein zu diesem Thema zu sorgen, werden wir in diesem Podcast unter anderem darüber sprechen, was überhaupt gemeint ist wenn es um Gewalt während der Geburt geht, welche Folgen das für die Betroffenen haben kann und warum es wichtig ist, diesem Thema mehr Aufmerksamkeit zu widmen. 

Quellen:

Positionspapier des Deutschen Hebammenverbandes e.V. “keine Gewalt in der Geburtshilfe”

Wissenschaftliche Arbeit zum Einfluss der Ökonomisierung auf die Geburtshilfe

Rate der Dammschnitte in deutschen Krankenhäusern

WHO Stellungnahme zur Prävention von Gewalterfahrungen während der Geburt (Englisch):

Plattform auf welcher Gewalterfahrungen geteilt werden können (Englisch)

Beiträge:

“Mehr Stress, mehr Maßnahmen, mehr Übergriffe“ – Artikel in der SZ

„Wenn Sie jetzt schon so schreien, wird das hier nichts“ – Radiobeitrag von DLF Kultur

“Traumatische Geburt: Gewalt im Kreißsaal” – Doku vom WDR

Bücher:

give birth like a feminist – milli hill

Gewalt unter der Geburt: Der alltägliche Skandal – Christina Mundlos

the positive birth book – milli hill

Es ist vorbei, ich weiß es nur noch nicht – Tanja Sahib 

Zur Person:

Claudia Watzel ist Diplom Psychologin, hat unter anderem den Verein “Schwere Geburt” gegründet und ist Mitglied im deutschlandweiten Netzwerk der Elterninitiativen für Geburtskultur. Sie setzt sich seit mehreren Jahren sehr aktiv für die Rechte von Schwangeren für eine gewaltlose und selbstbestimmte Geburt und eine frauenzentrierte Geburtshilfe ein.

Interview mit Shreyasi Bhattacharya

Rassismus in der Medizin – Zeit zu handeln

Über Rassismus wird ungern gesprochen, das gilt auch für den medizinischen Kontext. Dabei ist es grade hier (überlebens-)wichtig sich mit sozialen Ungleichheiten, den eigenen impliziten Vorurteilen und den Folgen von rassistischem Handeln in der Medizin auszukennen. Wir sprechen deswegen in dieser Folge darüber, wo Rassismus ganz unauffällig beginnt, wo er strukturell verankert ist und was wir tun können, dass das nicht für immer so bleibt.
Wir sprechen deswegen heute darüber, wo Rassismus ganz unauffällig beginnt, wo er strukturell verankert ist und was wir tun können, dass das nicht für immer so bleibt.

Quellen:

Accounts, Websiten & Co.

Race and Health Website mit vielen weiteren Quellen und Anregungen zum Thema

Black and Brown Skin Website mit klinischen (z.B. dermatologischen) Informationen über Erkrankungen und Symptome auf schwarzer und brauner Haut

Blackinmedicine Netzwerk Schwarzer Mediziner*innen, die viele wichtige Arbeit leisten zum Thema Schwarz sein in der Medizin, ihr findet auch auf social media weiteren Input: folgt ihnen!

Harvard Implicit Association Test: Rassimus. Test der Universität Harvard zum unbewussten implizierten Rassismus. Große Empfehlung diesen Test selbst einmal zu machen. (In der linken Spalte könnt ihr dann den Tests Race auswählen)

Studie der Uniklinik Köln Discrimination experienced by medical students and physicians, die erstmalig in Deutschland die Diskrimineurng im medizinischen Kontext untersucht. Unsere Interviewpartnerin Shreyasi Bhattacharya ist Teil des Forschungsteams.

Antirassistische Taskforce im Gesundheitswesen: meldet euch gerne per Mail an info.antira-med@protonmail.com wenn ihr euch engagieren wollt

Journal Club racism in medicine: jeden letzten Donnerstag im Monat findet ab dem 29.04. ein Journal Club statt, der sich mir Studien rund um racism in medicine beschäftigt. Die Teilnahme ist offen für alle Interessierten und Wissbegierigen. Bei Intresse meldet euch an per Mail an jc_racism_in_medicine@riseup.net

Studien (Auszug):

Hidden in Plain Sight Reconsidering the Use of Race Correction in Clinical Algorithms, (2020) Vyas, D. et. al, New England Journal of Medicine

Racism and health: evidence and needed research, (2019) Williams D. et. al, Annual review of public health

The penumbra: Seven things organisations should be doing to combat racism, (2020) Choo, E., the Lancet

Sharpening the global focus on ethnicity and race in the time of Covid-19, (2020) Bhala et. al, the Lancet

A decade of studying implicit racial/ethnic bias in healthcare providers using the implicit association test, (2018) Maina et. al, Social Science + Medicine

Racism as a determinant of health: a systematic review and meta-analysis, (2015) Paradies et. al, Plos One

Bame Covid-19 Deaths – What do we know? Rapid Data & Evidence Review, (2020) Razaq

Videos:

3sat doku: Macht der Vorurteile

TED talk Prof. Dorothy Roberts: the problem with race based medicine

Alice Hasters tagesthemen: Meinung

BBC: Why is covid 19 killing people of colour? 

Bücher:

exit racism von Tupoka Ogette (auch als Hörbuch auf Spotify konstenlos verfügbar)

Deutschland Schwarz Weiß von Noah Sow

Black man in a white coat von Damon Tweedy

Der weiße Fleck von Mohamed Amjahid

Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten von Alice Hasters (auch als Hörbuch auf Spotify konstenlos verfügbar)

Diversität in der humanmedizinischen Ausbildung von Dr. Houda Hallal

Why I’m no longer talking to white people about race von Reni Eddo-Lodge

Sprache und Sein von Kübra Gümüşay

Diversitätssensible Haltung und Kompetenz in der Pädagogischen Arbeit, Rassimuskritische Bildungsarbeit von Prof. Karim Fereidooni

mind the gap von M. Mukwende, P. TAmony und M. Turner: klinisches Handbuch für braune und schwarze Hautfarbe

Dermatology and Dermatological Therapy of Pigmented Skin Fachbuch über Dematologie auf schwarzer oder brauner Haut

Zur Person:

Shreyasi Bhattacharya ist Medizinstudentin of Colour aus Köln, Präsidentin der Association of International Medical Students Köln, aktiv im autonomen BiPoC Referat der Universität zu Köln und studentische Leitung des Projekts Medicus Kickstarter (einem Projekt, was sich die Förderung von Medizinstudierenden mit Bildungsbiographien im Ausland oder in der ersten Uni-Generation zur Aufgabe gemacht hat). Außerdem ist sie Teil eines Forschungsprojekts der Universität zu Köln, was erstmalig in Deutschland die Diskriminerung in der Medizin erhebt (s.o.).

Interview mit Prof. Dr. Georg Schomerus

Stigmatisierung psychisch erkrankter Menschen

Wie überwinden wir die Vorurteile?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie sind in Deutschland  jedes Jahr knapp 28 % der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen und vielen Menschen wird mit der Diagnosestellung auch eine Art Etikett aufgedrückt.  Schizophrene Menschen werden in der Gesellschaft häufig als gefährlich und unberechenbar, sogar kriminell eingestuft, mit einer Alkoholabhängigkeit bekommt man nur eine Psychotherapieplatz, wenn man für eine gewisse Zeit trocken war, die Kollegin mit Depressionen wird auf Arbeit auf einmal ausgegrenzt, weil sie viele Krankentage hat. Diese Stigmatisierung gibt es auf vielen Ebenen, auch strukturell. So vermeiden Lehramtstudierende mit psychischen Störungen Behandlung, damit sie sich nicht die Chancen auf eine Verbeamtung verbauen. Man kann eigentlich sagen: Betroffene leiden nicht nur an ihren Krankheitssymptomen, sondern auch an stereotypen Vorurteilen und sozialer Diskriminierung. In diesem Interview sprechen wir darüber, wie sich der Blick der Gesellschaft auf psychische Krankheiten und die Psychiatrie in den letzten zwanzig Jahren verändert hat. Wir reden ganz konkret über die Stigmata der Alkoholabhängigkeit und schauen anschließend, welche Folgen Stigmatisierung haben kann und was wir als Gesellschaft, als Ärzt*innen oder Betroffene dagegen tun können.

Quellen:

Studie: Veränderung der Wahrnehmung von Psychiatrie und psychischer Krankheit

Prof. Schomerus & Steffi Riedel-Heller: Das Stigma psychischer Krankheit im Fokus

Burnout statt Depression – eine Strategie zur Vermeidung von Stigma?

Positionspapier Entstigmatisierung der AG Mental Health Schweiz

Zahlen und Fakten der Psychiatrie und Psychotherapie (DGPPN)

Zur Person:

Interviewpartner ist Prof. Dr. Georg Schomerus, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Uni Leipzig. Er untersucht in mehreren Forschungsgruppen die Auswirkungen gesellschaftlicher Haltungen auf das Leben von psychisch erkrankten Menschen und engagiert sich beim Leipziger Verein Irrsinnig menschlich e.V.

Interview mit Prof. Sven Gottschling

Palliativmedizin

Lebensqualität am Lebensende

Über schwere Krankheiten, Tod oder Sterben wird nicht gern gesprochen, häufig werden diese Themen sogar tabuisiert, es fühlt sich fern an, wie das Problem der anderen, nie das eigene, bis es einen selbst betrifft. Und auch in der Medizin stehen Debatten über neue Krebsmedikamente oder verbesserte Therapien bei Schlaganfällen im Vordergrund – aber was ist, wenn es keine Chance mehr auf Heilung gibt? Wie finden wir Umgang mit sterbenden Menschen? Darum soll es in unserer neuen Podcastfolge mit Prof. Sven Gottschling gehen. Wir sprechen zunächst über Kommunikation mit sterbenden Menschen – wozu führen Sätze wie „Frau xy, ich gebe Ihnen noch drei Monate?“ Wie begleitet man Menschen auf ihrem Weg der Akzeptanz ihrer Krankheit – und des nahen Lebensendes? Wir diskutieren ebenfalls die Mythen rund um die künstliche Ernährung sowie Hunger und Durst am Lebensende. Als letzten Themenblock haben wir uns die palliative Sedierung, also das Versetzen eines Menschen in eine Art künstliches Koma vor dem Tod, vorgenommen: wir besprechen, wann diese Art der Sedierung eingesetzt werden darf und wie Patient*innen und Angehörige auf diese Möglichkeit des selbstbestimmten Sterbens reagieren.

Quellen:

Bücher „Leben bis zuletzt“ und „Schmerz los werden“ von Prof. Sven Gottschling

Lebensqualität und Lebensverlängerung unter künstlicher Ernährung:

– American Journal of Gastroenterology

Archives of internal medicine

Review: tube feeding in patients with advanced dementia

erweiterte S3 Leitlinie für Patient*innen mit einer nicht heilbaren Krebserkrankung

zur Person:
Interviewpartner ist Prof. Sven Gottschling, eigentlich Kinderarzt, nun aber Chefarzt des Zentrums für Palliativmedizin und Kinderschmerztherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes. Außerdem ist er Autor zweier Bücher, die Menschen mit oder ohne medizinischem Hintergrund Palliativmedizin und Schmerztherapie näher bringen sollen.

Interview mit Leona Blankenstein

Seenotrettung auf dem Mittelmeer

Zum Glück ist’s auch bereits in den Breitbandmedien angekommen: die Situation in Flüchtlingslagern in Italien oder Griechenland ist katastrophal, die EU bezahlt die sogenannte lybische Küstenwache um Menschen am Überqueren des Mittelmeers zu hindern und täglich müssen Menschen beim Versuch dessen sterben. Das Thema Seenotrettung steht schon seit Gründung unseres Podcasts auf unserer Liste – seit der Zerstörung von Moria gibt es nun kein drumherum mehr um die Auseinandersetzung damit.

Interviewpartnerin für diesen Podcast ist Leona Blankenstein, sie ist Medizinstudentin im 9. Semester in Dresden und hat bereits eine abgeschlossene Ausbildung zur Rettungsassistentin. Sie war ab Mai für 2 Monate auf der Sea Watch 3, einem der großen Rettungsschiffe des Vereins Sea Watch, und im August auf der Louise Michel, dem neuen pinken Rettungsboot von Banksy, eingesetzt.

Seenotrettung ist unmittelbar mit Debatten über Rassismus, Kolonialisierung und weißen Privilegien verbunden, denen wir in diesem Podcast allen gerecht werden können. Vielmehr sollt ihr medizinisches Hintergrundwissen zur Seenotrettung bekommen und einen Einblick in die Arbeit von Sea Watch erhalten. Wir besprechen wichtige Fluchtrouten über das Mittelmeer, häufige medizinische Behandlunsanlässe auf dem Schiff und rechtliche Grundlagen der Seenotrettung. Wir kommen natürlich nicht umhin, auch die Kriminalisierung zu thematisieren, die SeaWatch e.V. in den vergangenen Monaten erfahren hat. Wir wollen euch mit mehr Wissen in aktuelle Debatten schicken, euch sensibilisieren und empowern, noch mehr Fragestellungen über Fluchtgründe und strukturellem Rassismus weiter nachzugehen.

Im Podcast wird es keine Aneinanderreihung von Zahlen geben, da Menschen Menschen bleiben sollen und nicht zu Zahlen werden dürfen. Wer für die nächste Diskussion doch noch schlagkräftige Fakten braucht, findet die hier:

Uno-Flüchtlingshilfe-Bericht

Fluchtrouten über das Mittelmeer – Bericht im ZDF

Wissenschaftliche Untersuchung und Widerlegung der Pull-Hypothese

Möglichkeiten, sich einzubringen:

Sea-Watch

Mission Life-Line

Von Deutschland aus engagieren: Enorm-Artikel

Petition: Leave no one behind

Alarm Phone

Interview mit Prof. Dr. Thomas Lempert

Interessenskonflikte in der Medizin – wie unabhängig sind Leitlinien?

Leitlinienwatch bewertet medizinische Behandlungsleitlinien auf ihre Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie. Mit einem Punktesystem werden Maßnahmen belohnt, welche den Einfluss von Interessenkonflikten reduzieren. Das schockende Ergebnis der bisher 169 untersuchten Leitlinien – nur 16% gelten als bedenkenlos, bei allen anderen Leitlinien ist die Neutralität gefährdet oder besteht dringender Reformbedarf. In unserem Interview sprechen wir mit Professor Lempert, Mitbegründer von Leitlinienwatch, Chefarzt der Neurologie an der Schlosspark-Klinik in Berlin und ordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Ihr hört, wie eine Leitlinie überhaupt erstellt wird, wer im Gremium dazu sitzt und welche Folgen es haben kann, wenn eine Leitlinie eben nicht transparent und unabhängig erstellt wird – schließlich sind Leitlinien das Nachschlagewerk schlechthin im Klinikalltag.

Quellen:

Leitlinienwatch Kooperationsprojekt von Transparency International Deutschland e.V., Neurology First und MEZIS, was sich für die Bewertung von Leitlinien in Bezug auf die Unabhängigkeit einsetzt und aktuell bereits mehr als 160 Leitlinien bewertet hat

MEZIS Mein Essen zahl ich selbst

Transparency International Deutschland e.V.

Vertiefende Vorträge zum Thema Interessenskonflikte im Gesundheitswesen von einer Veranstaltung des AWMF, des IQWiG, des G-BA, Leitlinienwatch, MEZIS und Transparency Deutschland u.a. mit:
„Was macht die Qualität von Leitlinen aus?“ Prof.’in Dr.’in Ina Kopp, Leiterin des AWMF-Institut für Medizinisches Wissensmanagement
„Interessenskonftlikte, Bias, Schäden“ Prof. Dr. David Klemperer, Professor für Sozialmedizin und Public Health

DELBI Deutsches Leitlinien Bewertungsinstrument

Digitales Versorgungsgesetz mit Teilaspekt der unabhängigen Finanzierung von Leitlinien

Meinung AWMF zum Digitalen Versorgungsgesetz

Pressestimmen zum Thema:
Medical Tribune „Individuelle Interessenskonflikte gefährden die Neutralität von Leitlinien“ 14.02.2019

Medical Tribune „Leitlinien brauchen unabhängige Experten“ 28.03.2019

Deutschlandfunk „Medizinische Leitlinien – was hilft denn nun?“ 26.05.2019

SWR Wissen „Medizinische Vorgaben – Interessenskonflikte und Leitlinien“ 02.05.2019

NDR „Patienten, Pillen und das große Geld“ 30.09.2019

Tagesschau „Auch Deutschland bleibt korrupt“ 23.01.2020

zur Person:

Prof. Dr. Thomas Lempert ist Chefarzt der Neurologie an der Schlosspark Klinik in Berlin, ordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft und hat die Initiative Leitlinienwatch mitgegründet.

Interview mit Dr. Anke Schüler + Sandra Winkler

Unerfüllter Kinderwunsch

15% der Paare in Deutschland bleiben trotz Kinderwunsch leider kinderlos, sodass dieses Thema zu einem häufigen Behandlungs- und Beratungsanlass in gynäkologischen Praxen wird. Was viele auch nicht wissen: 40-50% aller Schwangerschaften enden als Fehlgeburt – und nur die wenigsten Paare sprechen darüber. Zu groß ist die Scham, zu groß der Druck, dass es endlich klappt. Wir wollen das ändern und knüpfen uns die Fakten zu den Ursachen und der ganzheitlichen Behandlung unerfüllter Kinderwünsche vor. Einen besonderen Fokus wollen wir darauf legen, welchen Einfluss unser moderner Lebensstil inklusive Stress, Schnelllebigkeit, leeren Kalorien in unserer Ernährung bis hin zu Übergewicht auf die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen hat.

Disclaimer: 

In dieser Folge reden wir vor allem über den Zusammenhang von Lebensstilfaktoren und Kinderwunsch. Beim Hören dieser Folge sollte beachtet werden, dass auch soziale Determinanten einen großen Einfluss auf die Erfüllung des Kinderwunsches haben können.

Quellen:

Zahlen & Fakten zum unerfüllten Kinderwunsch, künstliche Befruchtungsmethoden erklärt:
Infobroschüre profamilia

Zahlen der deutschen IVF-Registers:
www.deutsches-ivf-register.de

Ernährungssituation Deutschland – Zahlen und Fakten:

Nationale Verzehrs-Studie II, Bundesministerium für Ernährung und Landwirschaft:

Übergewicht:

Aktuelle Zahlen: Robert Koch-Institut 2014, Studie DEGS1, Erhebung 2008–2011

Adipositas und unerfüllter Kinderwunsch: Implications of obesity for female infertility

Thema Stress:

Aktuelle Zahlen: DAK Psychoreport 2019

Stress ein Grund für unerfüllten Kinderwunsch“ Ärzteblatt 03/2014

Stress und Hormonsystem: „Dauer-Stress gefährdet Hormongleichgewicht – Erholung oft langwierig“ Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie

Fertilität und Lifestyle: „Steigerung der Fertilität mittels Lifestylemodifikation“ Gynäkologie 5/2018:


Thema Mitochondrien:

Mitochondrien: Symptome, Diagnose und Therapie“, Dr. med. Bodo Kuklinski, Aurum Verlag 2015

Mikro und Makronährstoffe für Fertilität:

Ernährung bei Kinderwunsch: Möglicher Einfluss von Makronährstoffen und ausgewählten Mikronährstoffen auf die Fertilität“, aktuelle Ernährungsmedizin 2011

Spermienqualität:

Auswirkungen Lebensstil und Ernährung: „Der Einfluss von Arzneimitteln auf die männliche Fertilität“

Sinkende Spermienqualität: „Umweltgifte vermindern Spermienqualität“, Greenpeace, 05/2006:

Umweltgifte und hormonwirksame Substanzen:

„Hormonell wirksame Schadstoffe“ Umweltinstitut München e.V.
„Antibabypille im Fluss“, Süddeutsche Zeitung 14. Juni 2012

zu den Personen:

Dr. Anke Schüler ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie führt die Zusatzbezeichnung Medizinische Genetik und arbeitet seit 2001 in einer Gemeinschaftspraxis in Karlsruhe.

Sandra Winkler ist ganzheitliche Therapeutin für körperliche, mentale und psychische Balance. Sie absolvierte Ausbildungen zur Diätassistentin, Psychotherapeutin nach dem Heilpraktikergesetz, Mentaltrainerin und systemische Therapeutin. In ihre Coachings fließen ebenfalls Erfahrungen aus dem Bereich des Hormonyogas oder des Achtsamkeitstrainings ein.

Interview mit Prof.’in Dr. Karla Verlinden

Sexueller Kindesmissbrauch

Sexuelle Kindesmisshandlung ist keine leichte Kost und dennoch ist es wichtig darüber zu sprechen. Für alle Menschen, die im Gesundheitssystem mit Kindern arbeiten, wird dieses Thema leider früher oder später relevant werden. Mit einer Prävalenz von Hellfeldzahlen von ca. 12 % der Kinder und Jugendlichen ist es ein häufiges und ernstzunehmendes Problem. Auch die aktuelle Corona Krise mit der damit verbundenen häuslichen Isolierung macht das Thema noch ein bisschen drängender und aktueller und lässt wahrscheinlich die Zahlen weiter stiegen.

Quellen:

  • S3-Leitlinie Kindesmisshandlung, -missbrauch, -vernachlässigung unter Einbindung der Jugendhilfe und Pädagogik (Kinderschutzleitlinie)

  • Kitteltaschenkarte zum Thema „sexueller Kindesmissbrauch“ mit Ablaufschema, erstellt von der Medizinischen Kinterschutzhotline nach der Kinderschutzleitlinie

zur Person:
Prof.’in Dr.’in Karla Verlinden ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Resilienz, sowie sexueller Gewalt und lehrt aktuell an der Katholischen Hochschule in Köln. Außerdem ist sie approbierte Kinder- und Jugendpsychotherapeutin und hat zusammen mit ihrem Team ein Präventionskonzept gegen sexuelle Gewalt für Kinder und Jugendliche mit Behinderung entwickelt.